Drei Werkrealschulen schließen

Kommunalpolitik: Nach hitziger Debatte Ende von Schiller-, Pestalozzi- und Duden-Werkrealschulen beschlossen

Von unserem Redaktionsmitglied Heiko Brohm














© Tröster, ZG

Drei Stunden Debatte, scharfe Wortgefechte und am Ende ein Kompromiss, dem aber auch nicht alle Parteien zustimmten. Die Mehrheit des Bildungsausschusses hat gestern Abend beschlossen, in den kommenden Jahren drei Werkrealschulen zu schließen. Betroffen davon sind die Schillerschule, die Pestalozzischule und die Konrad-Duden-Schule. Über die Zukunft der Werkrealschulstandorte Friedrich-Ebert-Schule und Geschwister-Scholl-Schule soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.

Mit scharfen Worten kritisierte Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) gestern gleich zu Beginn die CDU, der er "Arbeitsverweigerung" vorwarf. Hintergrund war die Ankündigung der Union, den Beschluss über die Schließung abzulehnen und keine Kompromisse zu akzeptieren. CDU-Fraktionschef Carsten Südmersen hatte dies bereits am Dienstag damit begründet, dass es um Folgen der grün-roten Landesregierung gehe. "Damit verabschieden Sie sich aus der politischen Diskussion", sagte Kurz, "das habe ich noch nie erlebt."

Für die CDU verteidigte Rebekka Schmitt-Illert das Vorgehen ihrer Partei. "Wir sind in der Pflicht als Stadträte, Entscheidungen, die wir für falsch halten, abzulehnen." Kompromisse seien für die CDU deswegen nicht möglich, weil die Unterschiede zu grundlegend seien. Auch in der Kommission habe man immer wieder darauf hingewiesen, dass die Entscheidungskriterien nicht ausreichend seien.

Hauptschule und Werkrealschule

Die Werkrealschule ist die Nachfolgerin der früheren Hauptschule. Ein zehntes Schuljahr mit der Möglichkeit, die Mittlere Reife zu erwerben, sollte diese Schulart beliebter machen.

Den Schülerschwund konnte die Reform allerdings nicht aufhalten. Seit 2010 ist die Zahl der Fünftklässler um 40 Prozent gesunken.

Die Entwicklung hatte sich nach der Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung zum Schuljahr 2012/13 noch beschleunigt.

Wie es mit der Schulart weitergeht, ist offen. Die CDU hat Verbünde aus Real- und Werkrealschulen vorgeschlagen. SPD und Grüne sprechen sich dagegen für mehr Standorte der neuen Gemeinschaftsschule aus.

In der Diskussion ist auch die Möglichkeit, an den Realschulen künftig den Hauptschulabschluss ablegen zu können. fab

"Die Entscheidung fällt auch in unserer Fraktion keinem leicht", sagte Lena Kamrad (SPD). Sie wies aber auf die demografische Entwicklung und den Trend zu Realschule und Gymnasium hin, weswegen die Schließungen von Werkrealschulen unumgänglich und auch sinnvoll seien. Die CDU werde mit ihrer Verweigerung "ihrer politischen Verantwortung nicht gerecht", sagte Kamrad, "das ist für mich nicht nachvollziehbar."

"Klamauk" warf Dirk Grunert (Grüne) gar der CDU vor. "Es ist wichtig, jetzt eine Entscheidung zu treffen", wegen der sinkenden Schülerzahlen seien Schließungen "ökonomisch und bildungspolitisch sinnvoll". Die Aufschiebung sei nicht sinnvoll, die Unsicherheit bringe die Schulen nicht weiter.

Für die FDP kündigte Birgit Sandner-Schmitt an, "zu steuern und zu gestalten, auch wenn es weh tut". Allerdings wolle die FDP die komplette Liste nicht unterstützen, sondern über die Schulen einzeln entscheiden. Roland Weiß (Mannheimer Liste) erklärte, dass seine Gruppe die erste gewesen sei, die sich von der Entscheidung in der Kommission zurückgezogen habe. Grund sei auch die Vernachlässigung der Realschulen, so Weiß. Thomas Trüper (Linke) drückte die Hoffnung aus, dass man weg von einem "selektiven Schulsystem" komme.

Jetzt ist der Gemeinderat dran

Derzeit gibt es in Mannheim zwölf Werkrealschulen. Die Kerschensteinerschule arbeitet aber inzwischen als Gemeinschaftsschule. Von den übrigen elf Häusern sollten laut Empfehlung fünf in den nächsten Jahren bis 2018 auslaufen. Der von OB Kurz gestern ins Spiel gebrachte Kompromiss sieht nun vorerst die Schließung von drei Schulen vor. Der Bildungsausschuss stimmte dem mehrheitlich gegen die Stimmen von CDU und Mannheimer Liste zu. Die endgültige Entscheidung trifft der Gemeinderat am 10. Juli.

Hintergrund für die Schließungen sind die stark rückläufigen Schülerzahlen an den Werkrealschulen. Die Zahl der Lernenden sinkt dort seit Jahren.

Quelle: Mannheimer Morgen vom 26.06.2014