Redaktionsalltag im Klassenzimmer

Bildung: Schüler der Schillerschule erhalten bei „Klasse Kids“ Einblicke in den Alltag der Journalisten / Sie gestalten eine eigene Titelseite und stellen viele Fragen

Von unserem Redaktionsmitglied Caroline Blarr












Redakteurin Lara Sturm (li.) schaut auf die Titelseite von Sarah Ramic, Emil Krautkrämer und Stella Ramic (v.l.n.r.).
© cab

"Stört das Joachim Löw nicht, wenn ihr ihn einfach fotografiert?", wundert sich Jamey Fritzmann beim Durchblättern der Zeitung. "Es gibt natürlich Regeln. Aber Joachim Löw ist eine sogenannte Person des öffentlichen Lebens. Da gibt es dann Ausnahmen", erklärt ihm "MM"-Redakteurin Lara Sturm.

Die rund 40 Schüler der 4a und b der Schillerschule stecken die Köpfe über der Dienstagsausgabe des "Mannheimer Morgen" zusammen. Sie sollen eine eigene Titelseite gestalten. Welche Themen sind am wichtigsten? Welche Optik am ansprechendsten? Und wie viele Aspekte sollen auf der ersten Seite berücksichtigt werden?

Schnell beginnt es laut zu werden an den Gruppentischen. Es wird diskutiert, genauso wie im richtigen Redaktionsalltag. Jeder will seine Interessen vorne sehen. "Das Flüchtlingsthema ist doch das wichtigste Thema im Moment. Das muss auf jeden Fall auf die erste Seite", findet zum Beispiel Konstantin Richard. Mia Helbig unterstützt ihn. "Wir haben seit gestern auch ein Flüchtlingsmädchen in der Klasse."

"Wie kommt man an die Fotos von der Grenze und den Kriegsorten ran? Wer macht das? Das kann doch gefährlich sein, oder?", fragt Jamey Fritzmann. "Natürlich ist das riskant. Kriegsfotografen verfolgen einen journalistischen Auftrag und wollen dokumentieren, was sonst keiner dokumentiert. Sie hoffen, dass sie mit ihren Bildern etwas anstoßen können", erklärt Sturm.

Die Schillerschule nimmt am Leseförderprojekt "Klasse Kids" teil. Zwei Wochen lang wird die Zeitung an die Schule geliefert. "Die Schüler sollen sich jeden Tag einen Artikel auswählen, den sie besonders genau unter die Lupe nehmen. Sie sollen argumentieren, warum sie den Artikel gewählt haben und um was es darin eigentlich geht", gibt Lehrerin Susanne Gröschel Einblick in den Unterrichtsablauf.

Bei Eva Wunder und Luise Rossmanith blüht der Löwenzahn. "Wir haben den Frühling auf unsere Titelseite genommen, weil wir uns auf ihn freuen und das ein Thema ist, das allen gute Laune macht", sagt Eva. "Dann können wir endlich wieder draußen spielen, ohne zu frieren," ergänzt die zehnjährige Luise.

"Aber Sport ist auch wichtig. Das lesen einfach viele Leute", mischt sich Emil Krautkrämer ein. Und noch ein Thema steht hoch im Kurs: die Oscarverleihung. Anton Frank weiß genau, wieso er das Thema so prominent platzieren will. "Leonardo di Caprio war schon fünf Mal nominiert. Jetzt, beim sechsten Mal, hat es endlich geklappt."

"Woher weiß man eigentlich, was passiert ist?", stellt Sara Stincone die entscheidende Frage. "Es gibt ganz unterschiedliche Quellen. Auf lokaler Ebene, also in Mannheim, sind die Polizei, persönliche Kontakte und Vereine oder Institutionen wie das Rathaus wichtig. Und dann gibt es noch Nachrichtenagenturen. Die liefern Nachrichten über aktuelle Ereignisse aus der ganzen Welt. Außerdem schauen wir uns natürlich auch an, was die Konkurrenz macht - im Radio, Fernsehen und im Internet." "Das ist dann aber Schummeln", findet der achtjährige Jamey Fritzmann. "Wir schreiben nicht ab. Aber man muss auch im Blick haben, was die anderen machen", sagt Sturm.

Die Schüler wollen noch mehr wissen: Die neunjährige Ella Wickström interessiert, wie lange es dauert bis eine Zeitung in den Druck geht. Wie viele Menschen arbeiten eigentlich an einer Ausgabe mit? Seit wann gibt es den "MM"? Und dann gibt es natürlich noch die Frage, die alle stellen wollen: "Wie viel verdient man als Journalist?"

Quelle: Mannheimer Morgen vom 02.03.2016