Schule feiert halbes Jahrhundert

Neckarau: Vor 50 Jahren entstand ein neues Gebäude auf dem Gelände der einstigen Germaniaschule / Pädagogische Neuerungen wirken noch heute nach

Von unserem Redaktionsmitglied Jan Cerny


Die Schillerschule Mannheim wird 50 Jahre alt. ©  Schillerschule   

"Die Schillerschule wird fünfzig Jahre alt", lautete der Titel eines Berichts im "Mannheimer Morgen" am 28. April 1958. Mit einem Festakt feiert die Schule in der Luisenstraße heute, Freitag, 22. Juni 2012, wieder ein Jubiläum, und zwar "50 Jahre Schillerschule". Wie denn das? Hat da jemand etwas verschlafen? Mitnichten: Tatsächlich weihte die Stadt im April 1908 am Anfang der Speyerer Straße ein monumentales Schulgebäude mit 48 Klassenräumen, zwei übereinanderliegenden Turnhallen ein - die erste Schillerschule in Neckarau.

Die Schule wurde in Zweiten Weltkrieg zerstört, nach dem Wiederaufbau wurde in dem Gebäude die Ingenieurschule, heute das Herzstück der Hochschule, untergebracht. Die Schüler der einstigen Schillerschule wurden auf die Kirchgartenschule, heute Johannes-Bach-Gymnasium und Almenhofschule verteilt.

Schwer beschädigt im Krieg wurde aber auch die Germaniaschule an der Ecke Luisenstraße/Germaniastraße. Das Gebäude, halb Ruine, wurde abgerissen. Nach schwierigen Verhandlungen mit Eigentümern benachbarter Grundstücke entstand schließlich ein ausgedehntes Gelände, auf dem in den Jahren 1961/1962 nach den Plänen des Mannheimer Architekten Helmut Striffler eine neue Schule gebaut wurde.

Und weil der Name Schillers mit Mannheim besonders verbunden ist, wurde wieder eine Schule nach ihm benannt. Rund 700 Schüler - 550 von der Kirchgartenschule und 150 von der Almenhofschule - zogen in die Schillerschule ein. Weil sie noch nicht ganz fertig gestellt war, erfolgte die offizielle Einweihung im September 1962, also vor 50 Jahren.

"Euch ist ein kostbares Werk in die Hände gegeben, an dem Tausende Menschen durch ihr Steueraufkommen mitgearbeitet haben; seht die Schule als euer Eigentum an und behandelt sie wie Dinge, die euch lieb sind", erklärte der damalige Oberbürgermeister Dr. Hans Reschke den Schülern beim Eröffnungsfestakt. Schon damals bewunderten die Besucher im Flur der Schule, der eine Galerie bildet, das großflächige Relief. Es ist das Werk des Mannheimer Künstlers Edgar Schmandt mit dem Titel "Märchenwald".

Auch an dessen Entstehung wird heute Rektor Stefan Bolay erinnern. Mit 30 Kolleginnen und Kollegen unterrichtet er rund 350 Schüler. Das Verhältnis war vor 50 Jahren ein ganz anderes: 700 Schüler, Rektor Rudolf Marx und gerade 19 Lehrer. "Hier hat man Licht und Luft zum Leben, da fällt es leichter achtzugeben", deklamierten dennoch die Schüler bei der offiziellen Einweihung. Immerhin: Auch wenn die Klassengrößen damals bis zu 40 Schülern betrugen, waren die Räume mit 82 Quadratmetern größer als an den Schulen, die sie bislang besuchten.

Geändert hat sich für die Schüler aber auch die Art des Unterrichts. Rektor Rudolf Marx legte Wert auf Gruppenunterricht. Demnach gab der Lehrer ein Generalthema auf, die einzelnen Gruppen sollten Teilaspekte erarbeiten. Nach einer festgelegten Frist referierten die Schüler vor der ganzen Klasse die Ergebnisse. Der Lehrer sollte mehr ein Moderator sein. Eine Methode, die heute selbstverständlich ist. Genauso wie die Einführung der Arbeitsgemeinschaften (AGs). Damals hießen sie allerdings noch "Neigungsgruppen". Chorsingen, Musizieren mit Orff'schen Instrumenten, Zeichnen, Fotografieren und Laienspiel waren die ersten Gruppen.

Für weitere Veränderungen sorgte in den folgenden Jahrzehnten die Schulpolitik. So wurde aus der einstigen Volksschule im Jahr 1968 eine Hauptschule. Durch die Bildungsoffensive in den 60er und 70er Jahren wechselten Schüler aus den Grundschulen zunehmend auf Realschulen und Gymnasien. Auf einmal hatten die Hauptschulen mehr Platz und so brachte man 1992 in der Schillerschule auch die Grundschule unter. Drei Jahre später, 1995, kam die 10. Klasse (Werkrealschule) hinzu. 2011 wurden in Baden-Württemberg aus den Hauptschulen schließlich Werkrealschulen.

Die Zukunft der Schillerschule-Werkrealschule ist ungewiss. Wie berichtet, will die Stadt Werkrealschulen zusammenführen. Einige davon blieben auf der Strecke. Freilich hat die Schillerschule im Stadtteil einen großen Rückhalt. Die Neckerauer beharren auf ihrem Fortbestand, leicht geben sie sie nicht her.

Quelle: Mannheimer Morgen vom 22.06.2012